100 anni di energia

Bewährungsprobe für die kommunale Gesellschaft



1908 läuft der Vertrag für die Straßenbeleuchtung aus: Nachdem im Vorjahr eine Bürgerbefragung sich eindeutig für die Kommunalisierung des Tramnetzes ausgesprochen hatte, werden auch die Zentrale in Calvagese und die Übertragungs- und Verteilungsleitungen von der Gemeinde gekauft, die so effektiv die kommunale Gesellschaft gründet. Die SEB setzt in der Provinz die Anlagenerweiterung fort und nimmt unter anderem die Zentrale in Vobarno mit einer Leistung von 30.000 PS in Betrieb.
Am Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts stellt sich die Provinz Brescia wie folgt dar: Bei einer Bevölkerung von mehr als 610.000 Einwohnern, davon 51.700 in 4.189 Betrieben angestellt, verfügt sie über eine Leistung von 123.000 PS gegenüber 403.000 PS in der gesamten Lombardei (mit einer Bevölkerung von fast 5 Mio., davon 657.000 in 41.027 Betrieben angestellt) und gegenüber 1.620.000 PS in gesamt Italien (mit einer Bevölkerung von mehr als 35,8 Mio. und 2,3 Mio Arbeitern in 243.926 Betrieben angestellt)
Die größte Energiemenge stand in Valle Camonica zur Verfügung, mit 75.899 PS bei 452 Betrieben und 4.092 Arbeitern; gefolgt vom Kreis Brescia (einschl. Valtrompia und Lumezzane) mit 25.273 PS, 2.160 Betrieben und 27.720 Arbeitern, dann der Kreis Salò mit 15.715 PS, 603 Betrieben und 7.221 Arbeitern, der Kreis Chiari (einschl. Palazzolo) mit 3.894 PS, 554 Betrieben und 9.479 Arbeitern; das Schlusslicht bildete der Kreis Verolanuova (1.848 PS, 420 Betriebe, 3.188 Arbeiter).

Elektrotechnik, die Leidenschaft eines Lebens

In diesem Umfeld finden sich die Ursprünge der "Lucini e Palazzoli - Società elettrotecnica", aus dem Gefühl heraus durch den genialen Gründer Federico Palazzoli aufgebaut, einem Mann mit herausragenden technischen Fähigkeiten und großem menschlichen Gefühl. Am 17 August 1881 in Chiari als Sohn von Antonio und Agostina Martinelli geboren hat Federico Palazzoli die ersten Jahre seiner Kindheit und Jugend im Herzen Franciacortas verbracht. Er bricht die Schule nach dem 1. Jahr an einer technischen Mittelschule aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen der Familie ab, die in der Zwischenzeit nach Brescia umgezogen war.

In der Stadt arbeitet der Junge aus Chiari für eine Zeit als Lehrling bei den lokalen Werkstätten, um dann mit 16 Jahren, als Mechanikerlehrling, bei den Königlichen Telegrafen in Brescia zu beginnen. Er perfektioniert so seine Kenntnisse der Feinmechanik, während er abends drei Jahre lang die Berufsschule Moretto besucht und sein Wissen über Technisches Zeichnen, Mathematik und Elektrotechnik vertieft und die Grundlagen für seine Passion an technischem Wissen legt, eine Passion, die eine Konstante während seines gesamten Lebens ist, als Mensch und als Philanthrop.

Während dieser Jahre hatte Palazzoli die Gelegenheit mit Vater Zammarchi, seinem Lehrer, zusammenzuarbeiten: Er bereitet mit dem berühmten Wissenschaftler die Konferenz für die drahtlose Telegrafie vor, die im Teatro Sociale mit reell ausgeführten Experimenten abgehalten wird. Dann kommt die Militärzeit: Palazzoli leistet seinen Militärdienst beim 3. Reggimento Genio Telegrafisti Florenz, ab wo er weitere Gelegenheit hat, sein Wissen und seine Leidenschaft für das Thema zu vertiefen. Entlassen im Jahr 1904 wird er vom Ministerium für das Zentrale Telegrafenamt in Mailand als Mechaniker vorgesehene: Er kündigt jedoch bald und verlässt das Amt um sich selbstständig zu machen, trotz der Bitten des Mailänder Amts zu bleiben, das im Begriff war die nationale Verwaltung der Telefonie zu übernehmen.

Fünfzigtausend Lire um Brescia und die Welt zu erleuchten

So beginnt im Jahr 1904 das Abenteuer der Società Elettrotecnica Bresciana, gegründet durch Federico Palazzoli, zu Beginn gemeinsam mit Giacomo Lucini, der im folgenden Jahr sein Schwager wird, da er die Lehrerin Teresa Palazzoli heiratet, die Schwester Federicos. Das Firmenkapital ist, wie schon gesagt, zu Beginn sehr bescheiden, nur 50.000 Lire; das Firmenziel hingegen ist jedoch schon sehr ehrgeizig. Lucini und Palazzoli richten ihre Tätigkeiten auf drei Geschäftszweige aus: Produktion von Elektrogeräten und -material, Handel mit Elektromaterial, Konstruktion von Industrieanlagen für Kraftantriebe und Beleuchtung. Das Lager für das Elektromaterial befindet sich in Via Broletto 17, die Werkstatt für den Schaltschrank- und Elektrogerätebau ist in der Via Nicoló Tartaglia 20 aktiv.
Obwohl Palazzoli nur über ein begrenztes Firmenkapital verfügt, weiß er wie er das Vertrauen der Lieferanten und Banken gewinnt, und kann schnell den Mitarbeiterstamm auf siebzig Personen erhöhen: 60 Arbeiter, die für die Produktion und die Anlagen verantwortlich sind, und weitere zehn Personen sind Verkäufer und Büroangestellte. Das Unternehmen belegt zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von ca. 600 Quadratmetern.
Der Handel und die Anlagen zeigen Tag für Tag ein schnell ansteigendes Wachstum, aber die Produktion in der Werkstatt schreitet nur langsam voran und schmälert zu Beginn einen großen Teil der Gewinne, auch den der anderen Geschäftszweige. Ursache dieser anfänglichen Probleme ist eine komplexe Reihe von Faktoren, die vom Beinah-Monopol der deutschen Industrie in diesem Sektor, über das fehlende Elektro-Fachpersonal in Brescia, bis hin zum Fehlen der geeigneten Gießereien und Zulieferbetriebe für die erforderlichen Teile reicht.

Aber die Bestrebungen von Federico Palazzoli, vielleicht gerade wegen der schwierigen Aussichten der Firma, richten sich hauptsächlich auf den industriellen Geschäftszweig. So kommt es, dass die kleine Personengesellschaft Lucini und Palazzoli schnell in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen "Unione Elettrotecnica Bresciana" umfirmiert: In die Gesellschaft fließt auch das Konkurrenzunternehmen A. Soncini & C ein. Das Stammkapital wird auf 200.000 Lire angehoben, welches später bis auf 500.000 Lire aufgestockt werden kann. Palazzoli, Seele und Geist der Initiative, übernimmt die Rolle des Vorstandsvorsitzenden und Direktors.
Der blühende Handel mit Elektromaterial in ganz Italien ermöglicht dem Unternehmen durch Skonto-Operationen ein weit höheres Kapital zu nutzen, als effektiv eingezahlt wurde. Außerdem werden die Gewinne, sowohl aus dem Handel als auch aus dem Geschäftszweig Installationen, vollständig an den Geschäftszweig Produktion überwiesen, um ein allmähliches Wachstum zu garantieren. So wächst ganz langsam auch diese Abteilung. Auf ca. 1.000 Quadratmetern Hallenfläche, zu denen sich die Büros und Lager hinzuaddieren, sind am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts - wenig mehr als 5 Jahre nach der Firmengründung - nahezu hundert Arbeiter mit der Herstellung von Schaltern, kleinen Trafos, Hochspannungszubehör für die Schaltkabinen und Zubehör für die Elektroausrüstung der Kriegsschiffe beschäftigt (der Großteil dieser Geräte wird jedoch weiterhin durch die deutsche Industrie, allen voran Siemens-Schuckert und AEG, geliefert).

Das soziale Engagement

Ein wahrhaft kostbares soziales Engagement

Die Fünfziger Jahre, die nach dem Boom durch die Marineaufträge in den Dreißiger Jahren, die erfolgreichsten der Firma waren, sind auch die mit dem größten sozialem Engagement von Federico Palazzoli. Er ist bereits Vertreter der Provinzverwaltung im Vorstand des "Istituto Industriale Comunale Moretto" und übernimmt auch von 1946 bis 1966 eine Vertreterposition des Bildungsministeriums beim "Istituto Tecnico Industriale", welches in der Zwischenzeit verstaatlicht wurde. Er zeigt besondere Großzügigkeit, als er 1954 der Gemeindeverwaltung Bauland mit einer Fläche von 21.500 Quadratmeter für den Bau der neuen Schule "Benedetto Castelli" übereignet.
Nach Abschluss der Arbeiten sorgt er für die Ausstattung des elektrotechnischen Labors, welches durch die Schule und die Industrie in Brescia genutzt werden. Das Labor, das seiner Zeit einen Wert von 30 Millionen Lire hatte, wird auf seinen Namen geweiht. Der Unternehmer schenkt der Schule dann noch einen Artesischen Brunnen. Mit dem Bürgermeister Bruno Boni, der mit Palazzoli eine lang anwährende kameradschaftliche Bindung hegt, unterstützt er die Einführung von Abendkursen, mit der Gewissheit, einen Beitrag für die Arbeiter und die Unternehmen aus der Gegend Brescia zu leisten.
Zu den wohltätigen Initiativen gehören auch die Stiftung zur Unterstützung der technischen und beruflichen Weiterbildung, die von ihm beim AIB eingerichtet wurde. Ziel war es, Initiativen für diese Weiterbildungsarten zu fördern, zu integrieren und zu unterstützen, die Ausrüstung zu verbessern, und mit besonderen Preisen die besten Schüler und Lehrer zu fördern. Die Stiftung ist seit 1960 mit einem Stiftungsvermögen von 5 Millionen Lire sowie einem Grundstück mit 60 Hektar (Wert 110 Millionen Lire) zwischen Orzinovo und Pompiano aktiv, welches auch von Palazzoli zur Verfügung gestellt wurde. Die Verwaltung dieses landwirtschaftlichen Guts obliegt der Familie von Domenico Bianchi (mit dem sich Federico Palazzoli besonders verbunden fühlt), dem künftigen Präsidenten der UPA, dem Bauernverband der Provinz Brescia. Auch heute noch liegt die Stiftungsleitung in den Händen eines UPA-Präsidenten, Franco Bettoni.
Der Unternehmer schenkt außerdem im Juli 1965 der Gemeinde Brescia den Besitz der Villa Palazzoli in Via Valsorda mit allen Nebengebäuden sowie das daneben liegende Ronco, mit dem Zweck, dies für pensionierte Lehrer und Beamte zu nutzen (er macht 1966 eine Spende von 25 Millionen als Andenken an die verstorbene Ehefrau Elvira Palazzoli Zappa zugunsten des Krankenhauses Brescia und zwei Jahre später wird ein 5.000 Quadratmeter großes Grundstück in der Gegend Mompiano, in Via Ambaraga für den Bau des Spastischen Zentrums gespendet, das seinen Namen trägt).

Zusätzliche Sozialleistungen, die ihrer Zeit voraus sind

Die soziale Verantwortung von Federico Palazzoli drückt sich aber auch gegenüber seinen Arbeitern, innerhalb und außerhalb der Fabrik aus: seit Beginn der Sechziger Jahre sind in der Firma in Via Tommaseo die Kantine, Sanitäreinrichtungen und Krankenstation aktiv, und bereits seit den Jahren 1950-55 hat der Unternehmer Wohnungen für 30 Angestelltenfamilien mit reduzierter Miete bereit gestellt. Seit 1956 ist die Altenstiftung in Kraft, die von Palazzoli persönlich mit einem Startvermögen in Höhe von 4 Millionen Lire ausgestattet wird. Die Stiftung wird jährlich durch neue Beiträge aufgestockt. Ziel der Initiative ist es, die Ruhestandsversorgung des Personals zu verbessern und weitere Vorsorgeformen umzusetzen. Die Stiftung wird von Giacinto Becchetti in den Sechziger Jahren mit entsprechender Auszahlung der Angestellten geschlossen, da sie als nicht mehr zeitgemäß erachtet wird.
Fordernd und streng, aber gleichzeitig zuverlässig und offen liebte es der Patriarch des elektrotechnischen Unternehmens sich in den Abteilungen der Firma aufzuhalten, und einen direkten Kontakt mit der Belegschaft zu pflegen. Wie einige der älteren Arbeiter erzählen, wusste man, dass er besonders gesprächsfreudig war, wenn er mit einem braunen Anzug und einer Zigarre im Mund in der Fabrik auftauchte. Es gibt noch viele andere Geschichten, die seine Freundlichkeit und Großzügigkeit unterstreichen. Bruno Boni erinnert sich, dass zu Zeiten der Mille Miglia Federico Palazzoli der Erste war, der auf den Appell des Bürgermeisters und Renzo Castagnetos zur Unterstützung des Rennens reagierte und so als Zugpferd für die anderen Industriellen wirkte.
Wie sich Luciano Treccani erinnert, ein Ingenieur, der die Schule abgeschlossen hatte, die Palazzoli so liebte und der die ganzen 35 Jahre seines Arbeitslebens bei dem Elektrobetrieb aus Brescia verbrachte, hat der alte "Cavaliere del Lavoro" seinen engsten Mitarbeiter auch posthum noch gedankt, indem er den Abteilungsleitern des Werks testamentarisch noch jeweils die seinerzeit nicht unerhebliche Summe von jeweils zwei Millionen Lire vermacht hat.
Die Großzügigkeit des Industriellen zeigt sich vor allem im Bereich Bildung, wo er eine Reihe offizieller Auszeichnungen erhält: 1958 erhält er auf Vorschlag des Bildungsministers das "diploma di prima classe" (Diplom der ersten Klasse) mit Goldmedaille durch Dekret des Präsidenten der Republik Gronchi. Am 2. September 1961 feiert er mit Einladung aller Mitarbeiter im Grand Hotel in Gardone Riviera seinen 80. Geburtstag und die Verleihung des "Grande Ufficiale al merito della Repubblica". 1963 erhält er die Goldmedaille und Diplom für mehr als 50 Jahre außergewöhnliche Leistungen im Industriebereich durch die Handelskammer Brescia.
Am 2. Juni 1964 wird er mit Dekret des Präsidenten der Republik Segni zum "Cavaliere del Lavoro" ernannt. Am 28. März 1966 erhält er für Förderung und Entwicklung zahlreicher sozialer und wohltätiger Projekte in Brescia die Bronzemedaille für zivile Verdienste durch den Präsidenten der Republik. Die Verleihung erfolgt durch den Ministerpräsidenten Aldo Moro am 17. April im Salon Vanvitelliano.

Zwischen "handwerklicher" Berufung und industrieller Logik

Das fortlaufende Wachstum der Palazzoli kommt 1964 zu einem plötzlichen Stillstand und eine schwierige 3-Jahres-Periode beginnt. Geprägt wird sie durch negative Bilanten und die Abnahme der Mitarbeiteranzahl das erste dreier schwieriger Jahre, die sich durch negative Bilanzen und einer Abnahme der Mitarbeiterzahl auszeichnen (1965 sinkt die Mitarbeiterzahl von 392 auf 342). Die ungeeignete Fabrikgröße, das übermäßige Wachstum von Spezialproduktionen, die bei dem Unternehmen in der Via Tommaseo viele handwerkliche Inseln geschaffen haben, und eine gewisse Sparsamkeit bei den Produktionsinvestitionen machen sich im Moment einer allgemeinen Marktkrise besonders bemerkbar, und werden durch die Konkurrenz neuer klein- und mittelständischer Unternehmen weiter verstärkt.
Die Gründe der Schwäche einer Industrie, die zu stark in den verschiedenen Sektoren verzweigt ist, die außerdem sehr stolz ist und eine übermäßige Liebe für die eigene Arbeit aufweist, sorgen für eine sehr große Produktanzahl, die oft in sehr kleinen Serien speziell für einzelne Kunden angefertigt werden, belasten die Bilanzen noch weiter. Zu Beginn des Jahres 1967 wirft der alternde Präsident und Vorsitzende, auch wegen seines hohen Alters und der schwierigen Gesundheit, das Handtuch und zieht sich ins Privatleben zurück.
Bruno Boni erinnert sich an den Abschied des sechsundachtigjährigen Cavaliere aus dem Unternehmen: "Eines Tages war ich bei ihm zu Hause (ich habe ihn fast täglich besucht), und der Cavaliere hat mir gesagt, dass er müde sei, und die Firma in gute Hände geben wolle. Er dachte an mich, ich habe mich jedoch strikt geweigert: Wenn er mir auch nur eine Aktie seiner Firma geschenkt hätte, hätte ich ihn nie mehr besucht". Diese Ablehnung wurde öffentlich gemacht (genauer gesagt am 20. November 1980) als ein Artikel in der "L'Unità", geschrieben von Fortebraccio, dem Vorsitzenden der Christdemokraten lobt, erschien.
Auch wenn er sich gegen dieses einzigartige Angebot wehrt, setzt sich der Bürgermeister von Brescia trotzdem ein, um eine Lösung für Palazzoli zu finden. Boni erinnert sich, dass die Lösung mit Adamo Pasotti gefunden wird, in Zusammenarbeit mit Umberto Gnutti, der gerade zu dieser Zeit die Firma Eredi verlässt. Der Industrielle aus Lumezzane bringt einen Mitarbeiter, Giacinto Becchetti, mit, mit dem er schon bei dem Unternehmen in Val Gobbina erfolgreich zusammen gearbeitet hat. Der Vertrag wird für einen Betrag von 250 Millionen Lire unter der Leitung des Bürgermeisters unterschrieben.
Die Firmenleitung wird so von einer Freundesgruppe übernommen, die im industriellen Kreis Brescias sehr bekannt ist, das Aktienpaket untereinander aufgeteilt, mit verschiedenen Beteilungen die Mehrheit der Firma übernommen und der Neustart des Unternehmens in Angriff genommen. Neben Umberto Gnutti, Adriano Pasotti und Giacinto Becchetti bleiben auch die Familien Lanfranchi, Lucini, Palazzoli und Massardi Teilhaber der Aktiengesellschaft.
Am 24. Januar 1967 übernimmt der "Cavaliere del Lavoro" Umberto Gnutti den Vorstand, während Federico Palazzoli, der am 13. Januar 1969 im Alter von 87 Jahren stirbt, die Ehrenvorstandschaft behält. Als neue Vorstände werden Giacinto Becchetti, der auch Generaldirektor ist, sowie Giuseppe und Adamo Pasotti gewählt. Am 26. April wird das Gesellschaftskapital auf 300 Millionen Lire erhöht (im November 1968 dann auf 500 Millionen und im Juli 1970 auf 800 Millionen).

Palazzoli oggi

Die Wende am Ende der Sechziger Jahre

Die Umstrukturierung der Firma erfolgt schnell und drastisch und betrifft viele technisch/produktive Aspekte genauso wie wirtschaftliche und verwaltungstechnische Aspekte. Es werden die unwirtschaftlichen Abteilungen (Gießerei, Sandstrahlen und Entgraten) geschlossen, die Teile aus Gusseisen werden von der Gießerei Zecchi in Collebeato hergestellt, von welcher Palazzoli 25% des Aktienpakets erwirbt. Das Personal wird auf 71 Personen reduziert (57 Arbeiter und 14 Angestellte). Der Maschinenpark wird mit massiven Investitionen modernisiert, die Bearbeitungsabteilungen werden umorganisiert, und das Lager wird modernisiert. Das Werk in San Bartolomeo wird zusammen mit einem großen Grundstück mit 38.000 Quadratmetern an Bombrini-Parodi-Delfino aus Rom verkauft, komplett abgerissen und neu aufgebaut. 1985 wird eine neue zusätzliche Halle mit ca. 10.000 Quadratmeter Grundfläche gebaut, in der sich noch heute die Produktion befindet.
 
Der drastische Eingriff wird im nächsten Jahr mit einer Personalreduzierung um weitere 12% und einer Produktionskostenreduzierung um 16% fortgesetzt, Serienprodukte mit größeren Stückzahlen ersetzen großtenteils die Sonderteile aus handwerklicher Produktion. Die Auswirkungen dieser Kur lassen nicht lange auf sich warten: Die Bilanzen weisen wieder Gewinn aus (40 Millionen im Jahr 1967, 696 Millionen im Jahr 1977); der Umsatz wächst (700 Millionen im Jahr ‘69, dies entspricht einer Zunahme von 22%). Das neue Werk (31.600 Quadratmeter überdachte Fläche auf einer Gesamtfläche mit 182.600 Quadratmetern) geht in Betrieb und im Jahr 1970 wird der alte Firmensitz geschlossen, die Produktivität wächst stark an und viele kleine Bearbeitungen werden an externe Betriebe vergeben. Das Sortiment umfasst weiterhin ca. 2.000 Serienprodukte, man zielt auf die Standardisierung der Komponenten und des Endprodukts ab, es wird immer mehr auf die technischen Anforderungen der Installateure eingegangen.

Fortschrittliche Produkte und innovative Materialien

Trotzdem wird die Forschung und Entwicklung nicht vernachlässigt: 1971 wurden die Muster der CEE-Steckdosen und modulare Isoliergehäuse aus glasfaserverstärktem Polyesterharz vorgestellt, die so zum allerersten Male in Italien produziert wurden. Im gleichen Jahr geht ein modernes Datenverarbeitungszentrum in Betrieb, womit die Modernisierung der Anlagen beschleunigt wird und so dazu beiträgt, dass die Jahre 1973 und 1974 wahrhaft goldene Jahre werden. 1977 ergänzt eine neue Lagerhalle für die Metall-Halbzeuge, sowie die Abteilung für Stanzen/Schrauben und Drehautomaten mit 4.500 Quadratmetern Fläche den Standort.
Die siebziger Jahre sind schwierig, aber mit dem kräftigen Polster an Aktien und Immobilien schafft es Palazzoli wichtige finanztechnische Ergebnisse zu erreichen, die den industriellen Gewinneinbruch kompensieren und so für einen positiven Bilanzabschluss sorgen (1980 796 Millionen Gewinn, 1981 954 Millionen Gewinn, Dank des Aktiendepots, das das Unternehmen geworden ist, trotz der negativen industriellen Bilanz). Am 29. Dezember 1977 wird das Gesellschaftskapital verdreifacht (von 800 Millionen Lire auf 2,4 Milliarden Lire), auch der Umsatz nimmt zu, von 10 Milliarden im Jahr 1978 auf 11,9 Milliarden im Jahr 1979 und auf mehr als 18 Milliarden im Jahr 1981. Die Forschung und Entwicklung neuer Materialien geht ständig weiter, um den guten Ruf, den die Produktqualität von Palazzoli genießt, aufrecht zu erhalten: Während im Jahr 1972 das Gusseisen vom Aluminium abgelöst wird, setzen sich im Jahr 1979 die thermoplastischen Materialien immer weiter durch, Isolierstoffe mit besonderen elektrischen und mechanischen Eigenschaften, die eine Änderung der Formen und Werkzeuge erfordern. Im Jahr 1980 verfügt Palazzoli über 250 Mitarbeiter und exportiert in die Länder der Europäischen Union, in den Mittleren Osten, nach Korea und nach Südamerika. Außerdem werden die wichtigsten italienischen Ingenieur- und Anlagebaugesellschaften im Ausland beliefert. Auf den Montagelinien werden elektrische Sicherheitseinrichtungen, geschützt, wasserdicht, für Niederspannung, überwiegend für Anlagen in der Industrie, Schiffsbau, Wohnbau, Landwirtschaft und den Dienstleistungssektor produziert. Im Jahr 1981 gewährt die Bank Mediocredito Regionale Lombardo eine Finanzierung über 2 Milliarden Lire. Nicht mal die neuen Investitionen, die durch eine ungewöhnliche Finanzierung für traditionell besonders liquides Unternehmen, ermöglichen es, die neue Marktkrise zu bewältigen - im Jahr 1982 sieht sich Palazzoli gezwungen eine Lohnausgleichskasse zu beantragen. Gleichzeitig wird der Vorstand neu gewählt: nach dem Tod des Cav. Umberto Gnutti übernimmt Gaetano Lanfranchi, bereits seit 1957 Vizepräsident, den Vorsitz der Palazzoli; Vizepräsident wird Damiano Gnutti, während Giacinto Becchetti als Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor bestätigt wird. An Stelle von Adamo und Giuseppe Pasotti, die überzeugt werden ihre Anteile abzugeben, auch um die Ressourcen zu verstärken, die in die Fa. Idra in Via Triumplina investiert werden müssen, tritt Egidio Becchetti ein. Der Verwaltungsrat wird durch Pietro und Luigi Becchetti, Giorgio Gnutti, Nicolò Rasconà (der für die technische Leitung des Unternehmens verantwortlich ist) und die „Erben Palazzolis“ Carlo Lucini und Paolo Palazzoli vervollständigt. 1983 nach dem Tod Gaetano Lanfranchis wird die Präsidentschaft dem "Cavaliere del Lavoro" Giacinto Becchetti übertragen. Im folgenden Jahr wird das Gesellschaftskapital von 4,8 auf 9,6 Milliarden Lire aufgestockt.

Ein hochspezialisierter Katalog
 
Die Anzahl der Produkte im Katalog Palazzoli nimmt ab, die Auswahl aber gleichzeitig wesentlich spezialisiert: 2.200 Artikel, zu denen industrielle Geräte gehören, die den Unfallschutzvorschriften, den CEI-Normen, CEE-Normen, den UNEL-Tabellen, UNAV, DIN, den MMI-, R.I.Na.- und LLOYD’S REGISTER-Zulassungen entsprechen und von Italienischen Qualitätszeichen IMQ garantiert werden; Bordgeräte, die speziell für Anlagen auf Handels- und Militärschiffen entwickelt wurden; Spezialgeräte für besondere Anwendungen im Bereich Landwirtschaft, Industrie, Schiffsbau und Wohnbau.
Es handelt sich um ein spezialisiertes Sortiment von Steuergeräten der bewährten Serie CAM, Verteilerkästen, Sicherungseinsätzen, Hochleistungssicherungen, modularen Gehäusen, wasserdichten Industrieleuchten jeglicher Art, für Wandmontage, Deckenmontage, Hängemontage, Schiffsleuchten, Schaltern, akustischen Meldern, Sirenen, CEE-Sicherungen mit totaler Isolierung, TAIS-Geräten aus duroplastischem Material, besonders für Installationen im Freien, in staubiger, korrosiver, saliner Umgebung, in Umgebungen mit starken Temperaturschwankungen, in tropischem Klima, usw. geeignet.
Es kann gut sein, dass es kein Werk, Halle, Garten, Garage, Schiff oder Bauernhof in Italien gibt, bei dem nicht mindestens ein Gerät von Palazzoli verbaut ist. Die Produkte aus Brescia werden auch bei besonders wichtigen Anlagen eingesetzt: die Linie 1 der U-Bahn Mailand ist vollständig mit Geräten von Palazzoli ausgestattet, sogar mit fluoreszierenden Griffen, die speziell entwickelt wurden, um jegliche Schaltmanöver auch in kompletter Dunkelheit zu ermöglichen. Die Vertriebsorganisation vergrößert sich: 21 Vertreter, davon 10 mit Lager. Zum ausgewählten Kundenstamm gehören die größten nationalen Industrieunternehmen, die wichtigsten Händler, die am besten geschulten Installateure.

Die neue Herausforderung für Palazzoli

1995 geht das elektrotechnische Unternehmen aus Brescia, das als Zeichen der Kontinuität einer bewährten Marke seinen Namen - Palazzoli SpA - behält, in andere Hände über. Giacinto Becchetti, seit 28 Jahren an der Spitze eines Unternehmen, das nun aus einer Gruppe von 28 Teilhabern ("hauptsächlich Frauen, die kein Interesse haben als Unternehmer tätig zu sein" beschwert sich der alternde Manager scherzend bei der Bekanntgabe seines Rücktritts) besteht, verkauft den Betrieb und den Firmensitz an eine Gruppe lombardischer Industrieller, die in der Centro Sviluppo Srl (ein Unternehmen mit Sitz in Brescia, Firmenkapital 9,7 Milliarden Lire) zusammengefasst sind.
Am 21. April ernennt die Mitgliedsversammlung der Centro Sviluppo Srl in der Notarkanzlei Bossoni den Ing. Luigi Moretti als Präsidenten des Unternehmens. Am 12. April 1995 wird die Srl in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Palazzoli SpA beginnt ihre Tätigkeit offiziell am 31. Oktober 1995. Gesellschaftsziel ist weiterhin die Produktion und der Handel von elektromechanischen Materialien, Geräten und Ausrüstungen, elektrischen und elektronischen Maschinen sowie mechanische Bearbeitungen für Dritte. Im Verwaltungsrat sitzen Luigi Moretti, Präsident und Geschäftsführer; Marco Palvarini, Vizepräsident; Ettore Gnutti, Geschäftsführer. Der Aufsichtsrat besteht aus Eugenio Ballerio, Präsident; Enrico Broli und Giovanni Consoli sind ständige Mitglieder. Die nahezu einhundertjährige Geschichte der Palazzoli hat Zeiten des Wachstums, Zeiten großer Anerkennung und Zeiten der Restrukturierung erfahren. Die Periode, die am Ende des Jahres 1995 ihren Anfang nimmt ist ein Moment der Restrukturierung, die alle Bereiche des Unternehmens umfasst. Die Unternehmensleitung wird bestätigt und in den Bereichen Technik, Handel und Produktion erweitert. Der Handelsbereich, der einen Katalog mit 3.300 Spezialartikeln in bewährter Qualität nutzen kann, reorganisiert seine Dienstleistungen und zeichnet sich sofort durch zwei aufeinander folgende Umsatzsteigerungen aus: 18% im Jahr 1995 und 11% im Jahr 1996. Im technischen Bereich werden die bereits bestehenden Werte und Strukturen optimiert, in kürzester Zeit, innerhalb von nur sechs Monaten, wird das Palazzoli Qualitätssystem durch die internationale Zertifizierung EN ISO 9001 bestätigt. Das technische Profil hat, ausgehend von einer Vorreiterstellung hinsichtlich Qualität und Produktspezialisierung für Industrie und Marine, die Produktserien für den Dienstleistungssektor entwickelt und integriert. Diese werden von qualifizierten Planern und Installateuren, die Palazzoli vertrauen, seit Jahren erwartet.

Mit der ISO 9001 von der Mailänder Messe bis zur Antarktis

Es erfolgt die Rückkehr als Lieferant bedeutender Projekte. Für die Erweiterung der Mailänder Messe werden die Produkte der neuen Reihe TER Palazzoli ausgewählt; Produkte der Linie TAIS Palazzoli werden für die elektrische Ausrüstung des größten Kreuzfahrtschiffes der Welt, der Carnival Destiny, erbaut von Fincantieri, ausgewählt; die italienische Station der Enea wählt die wasserdichten Palazzoli Produkte für den Einsatz in den extremen Temperaturen der Antarktis; für die riesigen Extraktionsanlagen, die Israel im Toten Meer unter der Projektbezeichnung "Dead Sea Works" konstruiert, wurde bei einer internationalen Ausschreibung die gesamte Ausrüstung von Palazzoli gewählt.
Jeden Tag verlassen komplette Produktreihen das Werk in Brescia, deren Bekanntheitsgrad vor allem auf die hohen Qualitätsstandards und die Zuverlässigkeit zurückzuführen sind. Heute produziert Palazzoli Geräte der Serie CEE, Serie TER, Serie PT60, Serie TAIS (Schalter), Serie CAM, Serie METALLICA (industrielle Beleuchtung), Serie NAVALE: ein Produktsortiment, das in der Lage ist die Anforderungen schwierigster Einsatzbedingungen zu erfüllen und einen sicheren, zuverlässigen und langanhaltenden Betrieb zu garantieren. Dies ist das Ergebnis der letzten Episode der Palazzoli SpA, einer Episode mit einer Führung die noch dynamischer und effizienter ist, die sich auf die Kernkompetenz Industrieprodukte konzentriert, die die Produktion umstrukturiert hat, indem sie strategisch wichtige intern Produkte, und die aus ökonomischer Sicht weniger interessanten Produkte extern produzieren lasst. Es wurde die Mitarbeitersituation angepasst und die langjährig gehegte Situation eines Unternehmens, das auch als Bank agiert und mehr aus Immobilien- und Finanzgeschäften verdient als mit der eigenen Produktion, beendet. Bei Palazzoli ist man definitiv wieder dazu zurückgekehrt als Industrielle zu agieren, mit der Freude des unternehmerischen Risikos: eine große Herausforderung in einem Sektor bei dem die multinationalen Giganten dominieren. Aber die „kleine“ Firma Palazzoli hat, Dank der Flexibilität durch ihre Größe, Dank des bewährten Know-hows und Dank eines besonders hoch motivierten Managements die Karten in der Hand, um die Herausforderung zu gewinnen.




 




 

Von der Società Elettrotecnica Bresciana zu Palazzoli

Die endgültige Entscheidung des Geschäftsbereichs und die wesentliche Qualitätsprüfung erfolgt im Jahr 1912, als die Federico Palazzoli & C. bei der 1904 gegründeten "Società Elettrotecnica Bresciana" einsteigt und die als weniger "edel" (Anlagenbau und Handel mit Elektromaterial) betrachteten Geschäftszweige vernachlässigt, um sich vollkommen auf die Produktion und damit einer industriellen Tätigkeit zu konzentrieren.
 
Zur Produktion gehören alle Zubehörteile, die bei dem langen Weg vom Stromwerk bis zu den Geräten der Endverbraucher erforderlich sind. Zu Beginn wurden während der Kriegszeiten, als die Versorgungslage schwierig war, noch Ausnahmen für Großseriengeräte wie Bügeleisen und Elektroheizöfen gemacht.
Der Kriegsausbruch im Jahr 1914 stellt einen Wendepunkt der Aktivitäten bei Palazzoli dar: Der Weltkrieg blockiert die deutschen Lieferungen und gibt der Firma aus Brescia neue Möglichkeiten, die bereit ist ihr Know-how voll zu nutzen um die gesamte italienische Konkurrenz in ihre Schranken zu weisen. Während des Krieges entwickelt Palazzoli eine Reihe elektrischer Geräte für die Verwendung auf Schiffen, die bisher fast ausschließlich von der deutschen Industrie geliefert wurden.
Um den neuen Anforderungen besser zu entsprechen und der Königlichen Marine alle Mittel und mögliche Energien zur Verfügung zu stellen, entscheidet sich Federico Palazzoli den Geschäftszweig Anlagenbau aufzulösen. Er hält jedoch an der Handelsabteilung fest, in der Aussicht, dass dieser Geschäftszweig nach Kriegsende wieder eine Unterstützung der Industrie darstellt.
So beginnt eine enge Zusammenarbeit mit den Ingenieuren der Werften in La Spezia, Venedig, Neapel und Taranto, während das Unternehmen alles unternimmt, um die Anforderungen der neuen Produktion zu erfüllen, trotz der Schwierigkeiten durch den Krieg (die Mitarbeiter werden von der Einberufung ausgenommen, um weiter produzieren zu können). Trotz der Probleme durch Mangel an Mitteln, Maschinen und Platz wächst Palazzoli weiter.
Die Zusammenarbeit mit der Marine, auch wenn sie in technischer Hinsicht für wichtige Erfahrungen sorgt, garantiert in wirtschaftlicher Hinsicht keinesfalls die gleichen vielversprechenden Ergebnisse: Besonders die abwechselungsreichen Produktionen und kleine Stückzahlen können keinesfalls den Gewinn garantieren, den beispielweise Lieferanten von Zündern und Patronen einfahren. Besonders schwer wiegt die geringe Kapitaldecke nachdem die Teilhaber 1913 eine Kapitelerhöhung abgelehnt haben. So entscheidet sich Palazzoli die Aktien der Teilhaber aufzukaufen, die nicht zum Familienumkreis gehören.
Die Gelegenheit für diesen Schritt bietet sich in einem Moment allgemeiner Panik bei Kriegsende, als sich das Problem der erneuten Produktionsumstellung ankündigt: Die Aktiengesellschaft wird so aufgelöst und an dessen Stelle tritt die Privatgesellschaft "Federico Palazzoli & C.", in die der Gründer sein gesamtes Privatvermögen und das vermögen einiger Verwandter investiert. Das Unternehmen wird gestärkt, die Produktionsmittel werden erweitert und die Anzahl der Produkte steigt.

Mit der Marine rund um die Welt

Nach der Wiederherstellung des Friedens wendet sich das Unternehmen aus Brescia wieder der Produktion von Niederspannungsgeräten für die Industrie zu, beliefert aber auch weiterhin den Staat: in Zusammenarbeit mit der Marine entwickelt es eine komplette und moderne Ausrüstung für die Wechselstromversorgung an Bord (220 Volt), welche die anspruchsvolle Zulassung der Marine- und Werftingenieure erhält.
 
In der Zwischenzeit setzt Federico Palazzoli seine eigene Weiterbildung fort: Der Elektrotechnikpionier aus Brescia, der seit 1908 bei der "Associazione Elettrotecnica Italiana" (Italienische Elektrotechnische Vereinigung) eingeschrieben ist, nimmt aktiv an den Aktivitäten der Vereinigung teil und besucht wichtige Wasserkraftanlagen und große Industriekomplexe.

Er fährt jedes Jahr zur Leipziger Messe, wo die neuesten elektrischen Geräte und Werkzeugmaschinen ausgestellt werden. 1931 besucht er einige der wichtigsten Industriekomplexe Nordamerikas. Das Ziel des Unternehmers aus Brescia ist eine fortlaufende Aktualisierung und Erweiterung des Sortiments, wobei die Material- und Geräteprüfungen immer mehr in den Vordergrund rücken, mit darauf folgender Qualitätsverbesserung und Kostenreduzierung.
1923 sind an dem Hauptsitz mit Lager in der Via Solferino 45 im Palazzo Pisa sowie im Werk in der Via Cremona 4 (der Umzug fand im Jahr 1915 statt) 16 Angestellte und 80 Arbeiter mit der Unterstützung von 20 PS elektrischer Leistung damit beschäftigt, elektrische Geräte, Schalter und Hebeltrennschalter, Röhren, Mittel- und Niederspannungsableiter und Sicherungen zu produzieren. "Palazzo Pisa - erzählt Giovanni Bertè, Sohn des Pförtners bei Palazzoli, der wie seine beiden Brüder in Via Solferino geboren wurde - war der offizielle Firmensitz des Unternehmens. Als bei meiner Mutter, die in der Werkstatt in Via Cremona arbeitete, die Wehen einsetzen, ließ Herr Federico sie in den Palazzo Pisa bringen, weil er wollte, dass die Kinder in einer besser geeigneten Umgebung das Licht der Welt erblicken".

Die größten Probleme des Unternehmens sind weiterhin das Fehlen von geeigneten Zulieferern und das Fehlen von spezialisierten Arbeitern. Ausgehend von diesen Problemen entwickelt sich, zusammen mit einer besonders intensiven Schulung direkt in der Fabrik, das besonders starke Interesse Palazzolis an der Berufsausbildung, zusammen mit einer sozialen Präsenz, die ständig ein Auge auf die Probleme der Stadt wirft. Schon seit 1906 hatte er öffentliche Ämter angenommen, vor allem in den Vorständen der Berufsschulen, in die er finanzielle Mitteln und organisatorische Fähigkeiten investierte.
Im Laufe der Jahre nimmt seine öffentliche Arbeit immer weiter zu. Am 18. Juli 1919 greift Palazzoli im Namen der "Associazione Commerciale e industriale Bresciana" (Handels- und Industriekammer Brescia) bei der Versammlung ein, die von der "Lega di tutela civile" gegen den Generalstreik abgehalten wird. Am 24. März 1920 wird er zum Vizepräsidenten der Kammer gewählt (er bleibt Vizepräsident bis 1922, um dann für 2 Jahre zum Präsidenten gewählt zu werden), am 3. November 1920 wird er mit 9.728 Stimmen in den Gemeinderat Brescia gewählt (er verbleibt für die gesamte Mandatszeit von 4 Jahren). 1922 wird er auf Vorschlag des Industrie- und Handelsministeriums zum "Cavaliere Ufficiale" ernannt (er wurde bereits 1904 auf Vorschlag des Innenministeriums zum "Cavaliere" ernannt). Er vernachlässigt auch nicht den Sport, im Zeitraum von 1920 bis 1923 ist er Präsident des Brescia Football Club.
 
Das Werk in Via Tommaseo


1925 zieht das Unternehmen in seinen Sitz in Via Niccolò Tommaseo bei der Porta Trento um, ein Gebäude mit 2.950 Quadratmetern auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern, zuvor für die Produktion von Messern und Streichhölzern genutzt, an einen Ort - wie Palazzoli selber feststellt - weit außerhalb des Stadtkerns, vollkommen umgeben von Wiesen.
 
Zu den mechanischen Bearbeitungen kommen die Gießereiarbeiten hinzu, die mit Kupfer- und Aluminiumlegierungen begonnen haben und dann durch Gusseisen für dünnwandige Gießteile ergänzt werden, welche sich durch kleinere Toleranzen auszeichnen, als üblicherweise von den Gießereien angeboten wurden. Das ursprüngliche Projekt sieht den Einsatz von Formen vor, die auf Aluminiumplatten mit Teleskophaltern befestigt werden, die für eine Fixierung der Lage sorgen und jegliche Verschiebung verhindern. Im Bereich Messing- und Aluminiumguss wird das Sandformverfahren mit dem Kokillenguss für Teile mit großen Stückzahlen erweitert, ab 1936 werden diese Legierungen auch im Druckgussverfahren verarbeitet, einem neuen Verfahren, welches wegen der großen Präzision schnell an Beliebtheit gewinnt.
1930 wird der Sitz in der Via Tommaseo durch den Bau einer neuen Halle mit Lager im Keller für die fertigen Produkte erweitert. Im Jahr 1932 nimmt die Abteilung zum Formpressen duroplastischer Kunststoffe ihre Tätigkeit auf, ein Material, mit dem Isolierstoffe mit konstanten Eigenschaften, kleinen Abmessungen, geringen Toleranzen und komplexen Formen realisiert werden können. Das "Bakelit" erfüllt diese Anforderungen besser als Holz, Schiefer, Glimmer und Porzellan, das empfindlich ist und sehr unterschiedlichen Schwund aufweist. Im Werk in Via Tommaseo kann alles, außer Porzellan und Glaswaren, weilche hergestellt werden, mit welche fortschrittlichsten Methoden und Techniken: die Lackierung mit dem Pinsel wird von der Spritzlackierung und einer Transportkette in die Ofen für die Trocknung der Teile abgelöst; die Bottiche mit den rudimentären Elektroden machen Platz für die Wannenreihe mit drehenden Tonnen, welche einem vorgegebenen Schema folgen. Auch bei den Sozialleistungen für die Arbeiter steht Palazzoli an der Spitze: Kantine, Umkleiden mit Spinden und Duschen, Krankenabteilung, Café.
Die großen Investitionen verlangen jedoch wieder drei Jahre voller Entbehrungen. Gerade als sich die Situation der Fa. Palazzoli entspannt, tut sich dem Inhaber eine neue interessante Möglichkeit auf, die ihm die Gelegenheit gibt, zwischen einer, wenn auch befriedigenden, Routinearbeit und der Herausforderung einer neuen, schwierigen Aufgabe zu wählen. Ende der Zwanziger Jahre entscheidet sich die Marine auf die Aufbereitung der alten Restbestände zu verzichten, und die neuen Schiffe mit einer höheren Betriebsspannung (440 Volt) auszustatten, gerade in Hinblick auf die Komplexität der elektrischen Anlagen an Bord eines modernen Schiffes. Aufgrund der Unfähigkeit der Konkurrenz, diesen Ansprüchen zu genügen, liegt es an Palazzoli die Lösung zu finden, und er sieht sich durch die auftretenden Schwierigkeiten gezwungen, die Belieferung der Industriekunden einzuschränken.

Eine moderne und unabhängige Fabrik
Dieses Projekt fordert erhebliche Anstrengungen, die nach und nach zur Vergrößerung der Werkzeugabteilung führt, mit neuen und teueren Maschinen und Gießereien, die für die Verarbeitung von Leichtmetallen geeignet sind. Außerdem musste eine Formenabteilung für die Phenoplastteile und Prüfräume und eine Chemikalienprüfkammer eingerichtet werden, wodurch im Wesentlichen eine Autonomie der Fa. Palazzoli erreicht wurde. Im Jahr 1929 gibt das Verteidigungsministerium die in Brescia hergestellten Musterteile frei und erteilt dem Unternehmen einen Auftrag in Höhe von mehr als 5 Millionen Lire.
Die Firma Palazzoli ist jetzt autonom, erwachsen und kann in großem Maßstab agieren: Aus diesem Grund werden auch die internationalen Märkte beobachtet, deshalb und natürlich auch wegen politischer Überlegungen nimmt Palazzoli im Jahr 1929 an der dritten Libyschen Handelsmesse ("Tripolitania") teil. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Marine erhält Federico Palazzoli nach Vorschlag vom Marineminister persönlich, die Auszeichnung "Commendatore della Corona d’Italia".
Die größte Aufmerksamkeit richtet sich natürlich weiter auf den nationalen Markt. 1933 nimmt Palazzoli an der Messe in Mailand teil. "Das Unternehmen aus Brescia kämpft" - schreibt am 7. April die lokale Zeitung "Il Popolo" aus Brescia – "und bereitet sich mit mutigen Innovationen auf die Zukunft vor. Das Unternehmen stellt in Mailand Geräte für 20.000 Volt-Anlagen und einen Katalog mit 350 Seiten vor, der eine Reihe modernster Geräte anbietet". Im Katalog wird, zusammen mit einer riesigen Produktauswahl hauptsächlich für die Industrie, eine Beleuchtungsreihe vorgestellt, die mit großem Interesse aufgenommen wird und eine Idee der komplexen Unternehmensstruktur gibt.
Palazzoli verfügt in jenen Jahren über zahlreiche Anlagen, Technologien und Möglichkeiten: Chemikalienprüfkammer für Metalle, Prüflabors, Metallreinigung, Marmor- und Schieferbearbeitung, galvanische Bäder, Lager, Werkstatt und Büros, Bohrmaschinen und Gewindeschneider, Dreherei, leichte Montage, Stanzen, Werkzeugmacherei, Gießerei für Sandformguss, Messing und Leichtmetalllegierungen, Kokillenguss, Druckgussabteilung für Kupfer, Messing und Bronze, Druckgussabteilung für Isolierstoffe.
Wie man sieht, ein kleines Universum voller neuer Technologien, hinter dem sich eine Produktionsphilosophie verbirgt, die auf die vollkommene Unabhängigkeit des Unternehmens baut, die die unterschiedlichsten Bearbeitungen ermöglicht, oft auf handwerklichem Niveau. Aber genau dies ist es, was in den folgenden Jahren zur Schwächung der Industrie führt. Während dieser Zeit beschäftigt das Werk in Via Tommaseo 250 Arbeiter: Dies wird vom "Il Popolo" in Brescia in seiner Ausgabe vom 30. September 1934 festgestellt, die eine Zusammenfassung des Besuchs des Polizeipräfekten Salerno im Unternehmen veröffentlicht.

Die Eroberung der internationalen Märkte
 
Auch in den folgenden Jahren richtet sich das Interesse von Palazzoli weiterhin hauptsächlich auf die Versorgung zweier Sektoren: die Marine und die Industrie. Um dem Unternehmen, neben den staatlichen Aufträgen, auch den Fluss der privater Aufträge zu garantieren, widmet sich Palazzoli vollkommen der industriellen Tätigkeit und schließt 1934 den Handelszweig. Die Konzentration aller Energien in dieser Richtung führt zur Entwicklung neuer fortschrittlicher Produkte, die nicht nur die Anforderungen des nationalen, sondern auch des internationalen Marktes erfüllen. Neben dem Firmengründer arbeiten im Unternehmen zwei besonders vertrauenswürdige Verantwortlichen: die Neffen Paolo Palazzoli, verantwortlich für die technische Leitung und der Ing. Carlo Lucini, der die Verwaltung leitet.

Die Anpassung des Lira an die anderen europäischen Währungen bietet neue Gelegenheiten auf internationalem Niveau, die zu einer Erweiterung des Werks führen: 1937 erstreckt es sich auf eine überdachte Fläche von 4.200 Quadratmetern, die bis zum Jahr 1939 auf 6.000 Quadratmeter anwächst und Arbeit für 400 Arbeiter und 45 Angestellte bietet. Im gleichen Jahr zieht Federico Palazzoli aus dem Haus innerhalb des Werksgeländes in die Villa in Via Valsorda um.

Zu den Hauptprodukten des Werks in Via Tommaseo gehören: Geschützte und wasserdichte Niederspannungsgeräte für Industrieanlagen und Schiffsbau, Schutz- und Bedienelemente für Werkzeugmaschinen, wasserdichte Leuchten, Relais, Schütze und Schalteinrichtungen mit Trennung in Luft und in Öl, Schalter, Umrichter und Starter mit Stern-Dreieck-Schaltung mit Controller-basierten Kontakten, Gussteile aus Gusseisen, Bronze und Leichtmetalllegierungen, Druckgießen von Teilen aus Kupfer, Bronze und Bakeliten.

Am 29. Dezember 1950 wird die Firma in die "Federico Palazzoli & C. SpA" umgewandelt. Das Firmenkapital beträgt 50 Millionen Lire, 300 Angestellte, der Katalog umfasst mehr als 2000 Artikel. In den ersten Jahren hat die Aktiengesellschaft oft Liquiditätsprobleme und muss sich mit Schuldverschreibungskapital behelfen. Mit dem Marktaufschwung festigen sich auch die Bilanzen: Der Gewinn steigt von 8 Millionen in Jahr 1951 auf 41 Millionen im Jahr 1963. 1958 beträgt der Umsatz 630 Millionen Lire, 1959 steigt dieser auf 658 Millionen. Das Geschäftskapital wird zwei Mal angehoben: Am 30. Dezember 1957 von 50 Millionen auf 100 Millionen und dann am 8. November 1962 auf 150 Millionen Lire.

Die Industrie entdeckt die elektrische Energie

In der Provinz Brescia werden die ersten Werkstätten mit eigenen Gleichstromgeneratoren für die Beleuchtung im Jahr 1883 in Palazzolo, Chiari und Villanova ausgerüstet. Die "Società Telefonica Bresciana", eine der ersten Italiens (1884), ist Ansprechpartner für elektrische Probleme jener Zeit, und die Industrie aus Brescia wendet sich mit ihren Bedürfnisse an sie und die zugehörige Werkstatt. Zu dieser Zeit haben sich in Brescia besonders die Waffenindustrie, die Baumwollindustrie und die Ziehereien etabliert: Der Bedarf nach sauberer und einfach zu nutzender Energie wächst ständig.
Die erste bekannte Wechselstromanlage in der Provinz Brescia entsteht 1888 in Lonato für die Straßenbeleuchtung (in der Stadt wird weiterhin die Gasbeleuchtung verwendet, deren Einsatz in der weitläufigen Provinz jedoch sehr kostenintensiv ist). Brescia beginnt im Jahr 1887 sich um das Thema elektrische Energie für die Straßenbeleuchtung zu kümmern, als sich das Vertragsende mit dem Augsburger Gaswerk nähert, welches für die Gasbeleuchtung verantwortlich war. Trotz einer Vertragsverlängerung für weitere 25 Jahre behält sich die Gemeinde bei dieser Gelegenheit das Recht vor, auch Versuche mit elektrischer Beleuchtung durchzuführen.
Die Gemeindeverwaltung nutzt kurz darauf diese Möglichkeit und veröffentlicht eine Ausschreibung für ein öffentliches und privates Beleuchtung system. Die Ausschreibung wird von der "Società per l’utilizzazione delle forze idrauliche per mezzo dell’elettricità" (Gesellschaft für die Nutzung der Wasserkraft durch Elektrizität) gewonnen. Der Tarif wurde auf 7 Centesimi pro Hektowatt festgelegt (welches im Jahre 1935 bis auf 22 Cent inkl. Steuern anstieg). Das Projekt sah die Gleichstromübertragung vom Fluss Chiese in der Nähe von Calvagese bis zur Stadt Brescia vor. Die Zentrale bestand aus 7 Turbinen-Dynamo Gruppen mit je 100 PS und 3000 Volt. Die sieben Adernpaare erreichten Brescia in der Nähe der Fischzuchtstation, wo die Verteilung der Kreise erfolgt.

Dal 1904 ad oggi

1904: Ein paar Werkbänke und eine Bohrmaschine in Via San Martino, sowie ein Startkapital von 50.000 Lire. So beginnt die Geschichte des ältesten elektrotechnischen Unternehmens aus der Gegend von Brescia, nicht ohne Probleme wegen des geringen Kapitals und des Fehlens qualifizierter Arbeiter und Zulieferbetriebe in der Gegend.
Man kann jedoch erst mit dem Umzug in Via Cremona im Jahr 1915 von einem echten Industriebetrieb sprechen, auch wenn in der Fabrik direkt neben der Bahnlinie Brescia-Venedig die mechanischen Teile und die Blechabschnitte (außer natürlich Zusammenbau und Montage) zunächst nur gedreht, gefräst, gebohrt und die Gewinde geschnitten werden. Die Lieferung von Gussteilen, Isoliermaterialien und Glas erfolgt durch externe Betriebe.
Palazzoli wurde praktisch gleichzeitig mit der Einführung der Elektrizität in Brescia und dem Beginn der italienischen Industrialisierung geboren. Mit anderem Worten, es war der Moment als ein Durcheinander von Antriebswellen – typisch für die Fabriken des späten 19-ten Jahrhunderts - den Förderbändern und Umlenkrollen jeder Art wichen.
Zu Beginn des ersten großen Wachstums der Industrie, am Anfang des 20. Jhrhdts. gab es in der Provinz Brescia kein einziges großes elektromechanisches Unternehmen, das die Elektroausrüstung für die Industrieanlagen liefern konnte. Der Bedarf wurde also durch ausländische Unternehmen befriedigt. Um diese Leere zu füllen wurde die "Società Elettrotecnica Bresciana" gegründet, auf Bestreben von Federico Palazzoli mit Unterstützung seines Partners Giacomo Lucini.